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ECTS und ECVET: Wer durchschaut den Dschungel im Deutschen und Europäischen Bildungssystem?

Es ist in der Tat eine Wissenschaft für sich geworden, im Bildungsbereich den Durchblick zu behalten. Tausende von Seiten lassen sich aus dem Internet herunterladen, seitdem am 11. April 1997 ein erstes allgemeines völkerrechtliches Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Studienabschlüssen vom Europarat zusammen mit der UNESCO in der Lissabon-Konvention erarbeitet wurde.

Danach folgten

  • im Mai 1998 unter Federführung Frankreichs, Deutschlands, Italiens und des Vereinigten Königreichs die „Gemeinsame Erklärung zur Harmonisierung der Architektur der europäischen Hochschulbildung“ und wurde aufgrund ihres Unterzeichnungsortes als Sorbonne-Erklärung bekannt,
  • im Jahre 1999 die Unterzeichnung der völkerrechtlich nicht bindenden Bologna-Erklärung , von 29 europäischen Bildungsministern im gleichnamigen italienischen Ort. Diese beschreibt ein politisches Vorhaben zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bis zum Jahr 2010. Daraus erwuchs das allbekannte Punkte- oder Credit-System.

Mit diesem Europäischen System zur Anrechnung von Studienleistungen ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) werden Studien- und Prüfungsleistungen belegt. Das Leistungspunktesystem soll sicherstellen, dass die Leistungen von Studierenden an Hochschulen des Europäischen Hochschulraumes vergleichbar sind und bei einem Hochschulwechsel anerkannt werden.

  • im Jahre 2002 fand die Konferenz der Europäischen Bildungsminister in Kopenhagen statt. Dort wurde der Beschluss zu einer verstärkten europäischen Zusammenarbeit auf dem Sektor der beruflichen Bildung gefasst, welcher in der Kopenhagen-Deklaration seinen Ausdruck fand. Aspekte sind etwa Transparenz in Hinblick auf berufsqualifizierende Abschlüsse in nationalen Systemen, gemeinsame Instrumente zur Qualitätssicherung, Validierung informeller Qualifikationen und ein europäischer Qualifikationsrahmen (EQF). Mit einem europäischen Leistungspunktesystem für die Berufsbildung, ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training), soll die Übertragung, Validierung und Anerkennung von Lernergebnissen erleichtert werden. Damit wird die Mobilität von Lernenden auf ihrem Berufsbildungsweg erleichtert - sowohl innerhalb ihres Systems als auch in Europa. Zudem wird es leichter möglich sein, von einem Bildungsniveau in ein anderes zu wechseln – also zum Beispiel von der beruflichen Bildung zur Hochschule.
    All dies findet in Anlehnung an die Europäisierung der Hochschulbildung, dem sogenannten Bologna-Prozess statt.
  • Im Jahre 2007 fand die Konferenz der Europäischen Bildungsminister in London statt (Londoner Kommuniqué 2007) bezüglich „prior Learning“ und „Lebensbegleitendes Lernen“ sowie der Durchlässigkeit und Anerkennung der ECTS-Credits. Darin wurde empfohlen, mehrheitlich den Zugang zur Hochschule mit ECTS-Credits zu sichern und bezüglich Anerkennung von früher erworbenen Lernleistungen neue Wege der Anerkennung in Partnerschaft mit den mandatierten europäischen Behörden zu finden.

Das zu den Hintergründen und was ist daraus geworden? Ich will hier nicht auf das Für und Wider des theoretischen Ansatzes und der praktischen Durchführung eingehen. Das ist an anderer Stelle nachlesbar. Wichtig für Trainer und Ausbildungsinstitutionen sind die Konsequenzen und Chancen, die sich daraus ergeben.

Nun stellt sich natürlich die entscheidende Frage: Geht man den vorgesehenen Weg über das ECVET- oder alternativ das ECTS-Punktesystem? Die Antwort ist eigentlich klar, denn ausseruniversitäre Ausbildungseinrichtungen gehören zur beruflichen Ausbildung. Aber ... Der Bologna-Prozess ist weitgehend abgeschlossen, wenn man der Internetseite des BIBB folgt zu 75 %. Der Kopenhagen-Prozess steckt weiterhin in der Vorbereitung. Unseres Wissens nach gibt es bisher keine Stelle in Deutschland, wo ECVET-Punkte vergeben werden, geschweige denn solche in ECTS-Punkte umgerechnet werden. Auch auf der vorletzten Sitzung der KAW - Rat der Weiterbildner Deutschlands, konnte niemand dazu eine Positivnachricht vorlegen. Diese Durchlässigkeit verlangt jedoch die Kopenhagen-Deklaration.

Da es nach dieser Deklaration und dem Bologna-Prozess auch möglich ist, auf Nicht-Hochschulische Bildungsprodukte und -leistungen ECTS-Punkte zu vergeben (im Sinne der Validierung von erworbenen Lernleistungen aus dem beruflichen oder weiteren Leben), würde sich das ECVET-System zumindest im Trainerbereich vermutlich erst gar nicht durchsetzen.

Genau darauf reagiert der DVWO (Dachverband der Weiterbildungsorganisationen e.V.) und hat sich zum Ziel gesetzt: Das DVWO-Qualitätsmangement-System so in den EQF (Europäischer Qualifikationsrahmen) einzuhängen, dass auf die erfolgreich absolvierten Bildungsleistungen und die daraus resultierenden Bildungsprodukte eben gleich ECTS-Punkte vergeben werden können. Erst damit wird eine problemlose Kooperation mit Hochschulen möglich und es lassen sich die Bildungsprodukte in die Curricula der Hochschulen einflechten.

Weiterhin ist am Campus Dreieich „Haus des Lebens Langen Lernens„ (Frankfurt), intendiert in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden und Hochschulen, eine Validierungsstelle für Bildungsleistungen aus dem Kopenhagen und Bologna Prozess aufzubauen. Hier werden alle Lernleistungen bewertet, seien es Zeugnisse, Zertifikate, Kursbescheinigungen oder selbst erworbenes Wissen. Ganz im Sinne der Kopenhagen-Deklaration. Das bietet die Möglichkeit in einem Aquivalenz-Anerkennungsverfahren sich ECTS-Punkte offiziell bescheinigen zu lassen und zum Beispiel einen Bachelor- oder Master-Titel zu erwerben. Der DVWO arbeitet dazu in einem Netzwerk von nationalen und internationalen Hochschulen und Universitäten zusammen und wird auch neue Studiengänge am Campus Dreieich dazu aufbauen und anbieten.

Das hört sich für uns in Deutschland zunächst einmal fantastisch an, wird aber im europäischen Ausland bereits praktiziert. Mit dem DVWO-Qualitätsmanagement-System haben wir genau das richtige Instrument in der Hand. Experten aus dem Europäischen Hochschulraum (EHR) haben uns ausserordentlich positive Rückmeldung zu unserem QM-System gegeben. Der Zeithorizont zur Realisierung wird damit sehr überschaubar, so dass wir guter Hoffnung sind, im Herbst 2010 erste Ergebnisse vorlegen zu können.

Dr. phil.nat. Uwe Genz
Präsident des DVWO - Dachverband der Weiterbildungsorganisationen e.V.
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www.dvwo.de